Dampfmaschine zur neuen Bestzeit

Wenn Hitze Wasser erhitzt, dann wird er zu Dampf und dehnt sich aus. Diese Umwandlung von thermischer in mechanische Energie nutzte erstmals erfolgreich Thomas Newcomen im Jahre 1712. Zuvor gab es drei erfolglose Versuche anderer Erfinder. Also beim 4ten mal hat’s geklappt. Ich hätte heute mehr Glück und von den geplanten 4 Halbmarathons in diesem Jahr habe ich heute den dritten erfolgreich bestritten. Obwohl wie bei den Dampfmaschinen die Hitze als auch der aufgebaute Druck Probleme machten.
Ich habe mir für dieses Jahr ein paar läuferische Ziele gesetzt, wobei bei einem mir viele prophezeit haben, dass es doch arg schwierig werden könnte ihn zu erreichen. Und zwar den Halbmarathon unter 1h30min zu absolvieren.
Das katastrophale Ergebnis im April bei der Hitzeschlacht des Berliner Halbmarathons habe ich ja bei der guten HM Zwischenzeit bei der BIG25 nivelliert. Da ist mit 1:32:54 und einer neuen PBZ auch ein gutes Ergebnis herausgekommen, aber dies sind immer noch gut 3 Minuten vom Ziel entfernt und das ist schon nicht wenig. Zumal die psychologische Barriere der magischen 1:30 mit eine Rolle spielt.
Seit 7 Wochen bin ich in der Marathonvorbereitung und nach der Erfahrung vom letzten Jahr, war ich doch mit ein wenig Zuversicht an das Vorhaben gegangen. Nächste Woche ist ja noch der Mercedes Benz Halbmarathon, so dass im schlimmsten Notfall ein Versuch noch drin wäre. Das Training lief bisher ganz gut, der Countdown zur Bestzeit von Gevatter Greif tut wieder seine Dienste. Mein Test auf den 10er bei der CityNight verlief mit 41:50 nicht so super, aber da habe ich mittlerweile mindestens 10 Erklärungen gefunden warum es so war. Aber seit der Citynacht ist es mir sogar möglich Endbeschleunigung in die 35km einzubauen und wie letztes Jahr bin ich teilweise in der Lage die Intervalle noch härter zu laufen. Die 1000er Intervalle in 3:45 haben mich sogar selbst überrascht und noch zuversichtlicher gestimmt. Aber Hochmut kommt vor dem Fall und in meinem Fall die Nerven. (Nr. 1 der 10 Failgründe bei der Citynacht) Grade da wo man sich entspannen soll, in den Tapering Tagen vor dem Wettkampf wurde ich immer unruhiger. Dessen entledigte ich mich dann mit ein paar leckeren Schöfferhofer, die so schön geprickelt haben in meine Kopf und ein paar Zigaretten. Wenigstens bin ich so früh eingeschlafen. Aber dann auch um 4:30 nach 5 Stunden wieder aufgewacht.
Auf dem Weg zum Rennen ist es dann ein „wie immer“ beim Sportcheck Läufen. Die U-Bahn, am Anfang ganz leer, wird dann immer voller und immer orangener durch die Läufer mit den in diesem Jahr schön geschnittenen Funktionsshirts von unlimited. Ich persönlich mag aber diesen Einheitsbrei nicht, so dass ich beim Lauf lieber in meiner neues ärmelloses Adidas Shirt geschlüpft bin. Das passt mit seinen grünen Streifen eh viel besser zu meinen grünen ASICS Tarther und meinen grünen CEP Sleeves.
Als Besucher an der Strecke konnte ich mich heute auf meinen Sohn und seine Mutter freuen, die freundlicherweise meine neue 3D PocketCam von Aiptek bedient hat, um mein Vorbeidampfen zu dokumentieren. Wie gesagt in 3D!

Und vor dem Start habe ich noch Laufreund Oliver Spohn samt Familie getroffen. Oli hat seine beiden kleinen Mädels zum Bambini Lauf (VIDEO in 3D anaglyph) geschickt. Bei sowas frage ich mich immer wann mein Großer endlich seinen ersten Lauf macht. Bisher traut er sich nicht so wirklich.
Beim Einlaufen gab es dann noch ein schönes Highlight als ich meinem Laufidol Achim Achilles begegnet bin und wir zwei, drei Sätze gewechselt haben. „Hi“, „Na“ „Was hast Du heute vor? „Unter einer Stunde, natürlich für den Halben ;-)“, „HarHarHar“ „Und Du? „Naja, ich mach’s dann eher so unter 1:30? Auch für den Halben, HarHarHar“, „ Geh weg!“.
Immer wieder herrlich wie man mit Achim auf das Niveau eines Neandertalers zurückfallen kann, und sich dabei aber trotzdem erhaben fühlt.
Dieses Mal bin ich auch nur 2km eingelaufen und zwar im Einlauftempo, und nicht 4 im halben Renntempo. (Nr. 2 der 10 Failgründe bei der Citynacht).
Und schon ging sogleich das Rennen los. Bei mir meldete sich ein seltsames Magengrummeln. Ich hab mich dieses mal auch nicht ganz vorne eingeordnet ins Starterfeld, damit die Meute mich anfangs bremst und ich nicht wieder mit 3:45 auf dem ersten Kilometer angehe. (Nr. 3 der 10 Failgründe bei der Citynacht). Hab mich dann so schnell wie möglich auf ein Pace von 4:10 pro km eingependelt ( +/- 10sec) und versucht so konstant wie mir möglich zu laufen. Getränkeflaschen habe ich auch nicht mitgenommen, das Wetter war ja ideal mit 15° und bewölkt. Ich habe dafür lieber von den Wasserbechern bei Verpflegungsständen Gebrauch gemacht auch wenn das immer ein bisschen Zeit kostet, weil man langsamer laufen muss, wenn man aus dem Becher trinkt. Einmal habe ich dann auch leider danebengegriffen und bin blöderweise zurückgelaufen um dann noch einen Becher zu nehmen. Also beim nächsten Mal, wird dann doch wieder jemand an der Strecke platziert um das Fläschchen zu reichen :-).
Trotz oder vielleicht wegen der selbst verursachten Zeitstrafen wusste ich eigentlich seit km7, dass heute die sub1:30 drin ist, da ich das Durchschnittstempo fast immer unter 4:15 halten konnte.
HF DiagramMeine Herzfrequenz war noch nie so linear wie heute. 98% des Rennens bin ich bei 87%maxHF gelaufen. Das zeigt, dass da noch ein bisschen mehr Luft nach oben war, diese Reserve hab ich auch gespürt aber nicht getraut sie abzurufen, da ich mehr Angst vor einem eventuellem Einbruch hatte und die Sub1:30 war ja eigentlich schon sicher.
Mit handgestoppten 1:29:34 und einer Sekunde langsamer im offiziellen Ergebnis bin ich dann so wie gewünscht durchs Ziel gelaufen. Nächste Woche werde ich eventuell aus Spaß den Mercedes Benz HM laufen, da es mein Geburtstag dann ist vielleicht sogar verkleidet. Da liegen doch noch zwei Kostüme rum vom Kölner Karneval.
Und jetzt geht’s in die letzten 3 Wochen Training vor dem Marathon. Die gewünschten sub3:30 sind mit dem heutigen Ergebnis in sehr greifbare Nähe gerückt und sollten auch bei Wetterkapriolen drin sein. Hoffentlich bin ich jetzt mental gestärkt genug um dann entspannt ins nächste Tapering gehen zu können. Dann wird es hoffentlich die Dampfmaschine von James Watt sein, die mich zum Ziel antreibt. Dem wird fälschlicher Weise oft diese Erfindung zugeschrieben. Er hat jedoch nur den Wirkungsgrad von 0,5 auf 3 Prozent hochoptimiert. Das werde ich doch wohl noch besser schaffen!
Es sind noch 28 Tage bis zum Marathon.

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2 Responses to Dampfmaschine zur neuen Bestzeit

  1. Marek says:

    Alter Falter, Glückwunsch zur PB und sub 01:30! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich das von dir auch erwartet. Ideale Bedingungen waren ja gestern und das hast du eiskalt ausgenutzt. Ich erinnere mich gut an meine Schallmauer von vor mittlerweile 1,5 Jahren. Damals hatte ich überhaupt nicht mit gerechnet und meistens ist das immer der beste Ratgeber. Die 03:30h beim M. sollten absolut drin sein – da ist noch viel Luft Richtung 03:00.

  2. milauf says:

    Danke Marek. Deine Anerkennung ist mir viel Wert. Beim M. hoffe ich ja auf die Boston Quali, auch wenn ich sie nicht verwenden kann, da berlin ja vor Ende September stattfindet 🙁

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