Upgrade zum kleinen Spreewaldmann!

Letzten Samstag war es soweit. Ich habe beim Spreewaldtriathlon das Upgrade vom Volkstriathleten zum Kurzdistanzler geschafft und mir den Titel kleiner Spreewaldmann verdient!

Am Morgen sah das Wetter gar nicht gut aus. Es schüttete wie aus Kübeln! Die Wettervorhersage hat für Ostdeutschland Regen vorhergesagt und Recht behalten. Was für eine Ironie das auch noch als erstes das Kühlwasser in Frau Doktors Bus nachgefüllt werden musste.

Mit ein bisschen Verspätung erst mal Trainingsfreundin Jeanette aus Kreuzberg abgeholt, und dann ging‘s los auf die Autobahn zum Briesener See. Es war grau und ich habe mir schon ordentlich Gedanken gemacht wie ich nach dem Schwimmen mich gegen Unterkühlung schützen werde.

Aber kaum im Spreewald angekommen, rissen wie von Zauberhand die Wolken auf und die Sonne strahlte ins Auto. Ich begann mich schon mal beim Fahren zu entkleiden. Der erste kleine Saunagang wurde so erträglich.

In Briesensee angekommen erwarteten uns schon Ordner, die uns einen Parkplatz auf einer Wieso zuordneten. Ich sortierte die überschüssigen Klamotten aus und wir machten uns auf den Weg zum Startbereich. Das es ein Shuttle gab, das einen mitsamt Equipment den einen Kilometer fahren könnte, haben wir erst bei der Abreise entdeckt. Und da haben wir es dann sehr dankend angenommen.

Eigentlich war ich ja nur für den Sprint, die Schnupperdistanz gemeldet, aber Jeanette hat mir einen Startplatz von einer Ihrer Vereinskameradinnen besorgt, die aufgrund einer Schwangerschaft aussetzte. Die Ummeldung ging absolut unproblematisch. Nichts im Vergleich zu dem, was man bei großen Events vor sich hat, falls das dort überhaupt geht. Teuer wurde es für mich trotzdem, da ich meinen alten Startplatz leider nicht mehr losgeworden bin.

Da es jetzt für mich erst um 12:00 losging, war genug Zeit sich in aller Ruhe im Wechselgarten fertig zu machen.

Aber was erwartete mich da! Mein Gott, was für ein Equipment steht hier. Ich bin mit meinem 3 Jahre alten TREK Equinox TRI E7 sowas von Hobbysportler vom Hinterhof. Jeanette meinte, Material ist nicht alles. Aber ist schon heftig wenn man in so einem Karbonwald steht. Alleine das Geräusch der Laufräder auf dem Asphalt. Das weckt Gelüste nach mehr! 😉 Aber erst zur nächsten Saison.

Nachdem Start der Schnuppertriathleten und der Großen Spreewaldmänner und Frauen über die Mitteldistanz waren wir dran. Ich habe es sogar geschafft mich halbwegs vernünftig einzuschwimmen, und das warme Wetter und die angenehmen Wassertemperaturen taten Ihr übriges dazu.

Vor dem Start haben wir noch Frank getroffen, den wir vom Koppeltraining auf dem Tempelhofer Flugfeld kennen. Als Zielmarke setze Frank auf jeden Fall unter 3h. Ich habe mir spontan 30 + 1h20 + 50 ausgedacht = 2h40. Für mein Debüt sollte es reichen.

Und dann ging es los:

Aus den zuletzt gemachten Erfahrungen habe ich mich beim Schwimmen ganz hinten eingeordnet. Ich hatte absolut keinen Bock auf die Kämpfe im Wasser. Lieber später an den Langsameren vorbei. Aber auch diese Strategie bewahrte mich nicht davor gehauen und getreten zu werden. Seltsamerweise war es besonders schlimm um die erste Boje herum, was mich gut Zeit kostete. Jedoch hatte ich mittlerweile so viel Erfahrung, dass ich absolute Ruhe bewahrt habe, mich aufs Atmen und den Kurs konzentriert habe.
Es waren zwei Runden a 750 Meter zu absolvieren und die bin ich im Rahmen meiner Verhältnisse dann gut durchgeschwommen. Dafür dass ich als einer der Letzten ins Wasser gegangen bin und dann als 61 von 171 herauskam, hab ich doch schon recht viele überholt. Für mein Ego war das auf jeden Fall eine gute Sache :-) !

Ruhe statt Geschwindigkeit

In Summe schwamm ich unter 2min pro 100Meter, was eine ordentlich Steigerung ist und meine Taktik vor allem auf Ruhe denn auf Geschwindigkeit zu achten voll aufgehen ließ.

Im Wechselgarten ließ ich mir ein wenig mehr Zeit (2:42 / 320Meter) und schon ging es auf die Radstrecke. Das erste Mal ohne Windschatten. So wie es sich für einen Triathlon gehört im Gegensatz zu meinem Debüt beim Berlin Triathlon. Ich gab ganz gut Gas und hoffte dass die Beine das aushalten. Die ersten 15km mit über 35km/h waren ganz ordentlich. Ich überholte sogar hier und da. Aber meistens Frauen, und die waren bestimmt auf der Mitteldistanz. Dann wechselte auf einmal der Asphalt auf einen sehr rauen Belag und das Geräusch meiner Laufräder änderte sich deutlich. Ich dachte ich fuhr auf einem Platten, ich wurde unsicherer und langsamer bis ich nach ein paar Kilometern mich überholende fragte ob ich einen Platten habe. Einer erbarmte sich und sagte mir, dass das der Belag der Straße ist. Zwischendurch musste ich auch mit Erschrecken feststellen, dass der Spreewald nicht ganz eben ist. Und ich reagiere ja auf alle kleinsten Steigungen mit krassen Einbrüchen. Ich versuchte wieder anzuziehen, aber die Beine waren da schon dicht. Die Gesäßmuskulatur und die hinteren Beuger schmerzten. Ein runder Tritt war nicht mehr wirklich drin. Dabei habe ich dann gleich mal gelernt in welcher Beinpositione die Muskulatur sich am besten erholt, nämlich in einer möglichst gestreckten Haltung. Dazu kam noch die Sonne, die ich auf einmal ordentlich merkte. 28°C im Schatten, und in der Sonne? Wenigstens werd ich braun!

Es ging dann nur noch, ein bisschen Treten ein bisschen Rollen, ein bisschen Treten ein bisschen Rollen… Ich sehnte mich ab km 30 nach dem Laufen, endlich andere Muskeln benutzen. Wie ich mich trotzdem irgendwie über 30km/h gehalten habe ist mir ein Rätsel, auf den letzten beiden Kilometern ging dann auch das nicht mehr. Mit 1h19:08 und als 75ter war ich trotzdem erstaunlich stabil.

Und dann endlich Laufen!

Auch wenn ich auch hier nicht in so in Form bin, so ist das trotzdem meine stärkste Disziplin. Hab ja nix anderes gemacht die letzten beiden Jahre. Hab da also die meiste Erfahrung.
In der Wechselzone ziemlich ruhig (01:27 / 190Meter) gemacht. Aber meine Beine habe ich da nicht mehr gespürt, ausser den Schmerz in den Arschbacken. Das war schon ein anderes Kaliber als beim Berlin Triathlon. Die Hitze war im Wald höllisch! Die schwüle Luft stand förmlich. Die 5km Runde, die es zwei Mal zu absolvieren galt, war zur Hälfte gepflastert und zur Hälfte sandiger Waldboden. Ich hab auf Durchkommen geschaltet, einfach an der Schmerzgrenze weiterlaufen und hoffen dass es besser wird. Aber es wird nicht. Zum Glück gibt es alle 2,5 km einen Wasserstand mit Schwämmen und ich nehme alle in Anspruch. Ich kann mich noch zu einem „Endspurt!“ aufraffen und beende den Lauf mit 47:42, immerhin unter einer 5er Pace und so 38ster im Feld.

FAZIT:

Alter Schwede! Was für ein Rennen! Ich fühlte mich im Ziel wie vor 3 Jahren nach meinem ersten Halbmarathon. Ich wußte, dass am nächsten Tag Treppen und schon Hinsetzen schwierig sein wird, ich wußte es wird endlich wieder Muskelkater geben;
UND ich wußte, dass ich es in zwei Wochen bei der 5150 wieder machen werde!

Endlich hab ich mich mal wieder gequält. Mann war das geil! :-)

  • Ich hab mein Ziel mit 2:36:05 unterboten.
  • Ich bin 43ter von 166 angekommenen und 10ter in der AK40.
  • Die Schwimmzeiten sind besser geworden.
  • Es ist eindeutig, dass Rad meine schwächste Disziplin ist und ich jetzt verstärkt Rad fahren muss! Ansonsten wird die Mitteldistanz in 10 Wochen nicht schaffbar!

Gesamtzeit        2:36:05 (43)
Schwimmen         0:29:15( 61 )
Rad                        1:19:08( 75 )
Laufen                  0:47:42( 38 )

P.S.
An dieser Stelle ein sehr großes Dankeschön an Melanie vom Massagedienst, die mir nach dem Zieleinlauf die Muskulatur wieder lockerte. Ohne Ihre heilenden Hände wäre ich wohl nicht mehr im Auto nach Hause gekommen!

Lichtenrader Meile – Hitzeschlacht mit Katzenjammer

Endlich zurück von der Lichtenrader Meile. Gestern am Samstag war ich ja so brav, es war 21uhr, ich nahm mir ein Buch, das ich endlich fertig lesen wollte und legte mich ins Bett. Schließlich muss ich morgen früh aufstehen, und am Sonntag um 7 Uhr morgens ist bei allen Ehren früh! Jedoch passierte etwas was in unserer modernen Telekommunikationsgesellschaft mir schon lange nicht passiert ist:

Es klingelte an der Tür!

Das bloße an der Tür klingeln mag ja normal sein am Montag bis Samstag von 9:00 bis 15:00 Uhr,  wenn der Postbote kommt um mir oder einem Nachbarn ein Packet zu bringen. Aber am Samstagabend!? Ich hab ja niemanden eingeladen oder so… das kann nicht gut sein, kann doch nur die Polizei sein um mir den Kachelmannprozess im Namen irgendeiner geistig verwirrten zu machen, dachte ich mir…. Aber nee, die würden sich ja auch als Postbote tarnen und am Montag früh kommen. Nachdem ich doch sehr zögerlich den Knopf gedrückt habe, schlenderte so mein Freund C. in den Hausflur. Hausflur dunkel, er Sonnenbrille, Unschuldsmine und nettes Grinsen auf den Lippen. Sein IPhone geht nicht, also hat er es mal so versucht, ganz auf die Altmodische :-) Und ganz auf die Altmodische hat er auch zwei Bier mitgebracht. Zusammen mit dem einen in meinem Kühlschrank waren es also drei. Was für eine Teufelszahl! Drei kann man nämlich nicht durch Zwei teilen, und die “Sportsbar ist ja eigtl nur um die Ecke”… — … 4 Stunden später poste ich auf FB noch ein “helau und sweet dreams”, Freund H. hat noch geantwortet und mich auf seine Zeit vor zwei Jahren hingewiesen, die für mich ja in meiner Form ja kein Problem sein sollte. Ich entledigte den Lauf jeglicher Bürde des Konkurrenzverhaltens mit einem “morgen ist easy peasy” und war zu dem Zeitpunkt vollkommen überzeugt, eine Inkarnation eines doch nur “leicht dopenden” Athleten der antiken olympischen Spiele zu sein, denn ich habe ja heute auf Stierhoden und Hundeblut und Atropin verzichtet, deswegen das Leicht…

Das Leicht war aber schlagartig um 7:00 Uhr morgens weg, als der Wecker klingelte, und zwar alle 5min! Eine Stunde lang! Ich war zum Glück nicht in der Lage den Wecker auszuschalten, nur die Snooze Taste habe ich alle 5 Minuten gefunden. Jetzt weiß warum die Dinger so gebaut sind, dabei habe ich das am Anfang für einen Intelligenzausfall eines chinesischen Produktdesigners gehalten. So gesehen konnte es sich dann eigentlich doch nur um Produktpiraterie handeln. Nach der produktdesignbestimmten einstündigen Folter durch Einschlafverhinderung habe ich gefühlte 10 Jahre geduscht um zu mir zu kommen. Jahre harten Trainings können doch nicht umsonst sein. Und ich meine die Trainings auf beruflich bedingten “Abendessen”, wo Chefs, Kollegen oder Geschäftspartner keine Rücksicht darauf nehmen, dass morgen ein normaler Arbeitstag ist. “Wer feiern kann, kann auch arbeiten”, naja….. so war ich irgendwie auch um 09:00 doch pünktlich in Lichtenrade angekommen,  sah durch meine sehr dunkle Sonnenbrille, was für ein wunderschöner Tag es war: strahlend blauer Himmel, 32° im Schatten! Das erste Mal das ich so einen wundervollen Tag ECHT SCHEIßE fand. Einlaufen ging gar nicht! Mir war so richtig schlecht.

Dann auf einmal Startschuss, nur bedingt durch Schwarmintelligenz fange ich an mich zu bewegen, der Körper rebelliert und sendet: “Du läufst heute nicht durch”. Ich trete in Verhandlung, Tempo drosseln! Das gesamte Feld zieht an mir vorüber. Alle die mich kennen, sehen mich quasi stehen. “Was ist mit dem heute los”, meine ich den hämischen Gedanken der vorbeiziehenden Konkurrenz zu entnehmen. Die Strecke hat zwei Runden a 7,5km erinnere ich mich. Bei Kilometer 2 der Runde geht‘s einen ordentlichen Hügel hoch, Meine Gedanken drehen sich darum, wie ich mich beim Laufen am ökonomischsten übergeben kann, ohne noch mehr Zeit zu verlieren. Wie machen die Kenianer das, oder die Mocki? Die flennt doch auch öfter wie dreckig es Ihr geht? (Mocki, ich find Dich super!) — Aber dann Berg runter, nach 3km, Atmung normalisiert sich irgendwie, Kotzgefühl wird nicht schlimmer, ein Gefühl wie Kraft kommt zurück in die Beine, der Wasserstand verschafft Kühlung, ich denke an Forrest Gump: “Lauf Milosz, lauf!” Ich versetze mich in Trance, bei dem Restalkohol ja kein Problem. So kann‘s bleiben, nicht überpacen ist der einzige Gedanke… Da ist ja Hansi und da der Müller. Jetzt haste den und vielleicht schaffst Du auch noch den anderen? Und dann auf einmal: Zieleinlauf!

Wie? schon vorbei? Ich schau auf die Uhr 1:07:45! Hääää? Ist ja geil! Und 4ter Platz in der AK! H. hat doch was von einer 1:10 und einer 1:12 in den letzten Jahren erzählt….

FAZIT:

Eine gute Vorbereitung, geht auch nicht flöten, wenn man einen über(!) den Durst getrunken hat. Zumindest im Hobbybereich. Ein solides abwechslungsreiches Training ist Gold wert, und verzeiht auch mittelschwere Sünden. Aber mir tut heute nach 15km alles so weh, als ob ich einen Marathon gelaufen wär, und das will ich nicht wieder haben. Mit C. habe ich ausgemacht vor Wettkämpfen keine Besuche der altmodischen Art, sein IPhone geht ja jetzt wieder 😉 Und die Frage ist immer, was wäre ich gelaufen, wenn ich ganz frisch gewesen wär. Der Tag hat mich in der Tat so weit mitgenommen, dass ich das erste Mal einen Blog geschrieben habe. Zurück in der modernen Telekommunikationsgesellschaft sozusagen, mit jetzt zwei Erfahrungen mehr.

Und der nächste Lauf ist ja schon am Freitag…